Naturschutzkleinod im Landkreis Bergstraße

Die Sumpfohreule

(Asio flammeus)

Foto Jürgen Schneider

Die Sumpfohreule zählt von jeher zur Brutzeit und im Winterhalbjahr zu den seltensten Eulen in Hessen. Die geeigneten großräumigen, sumpfigen und baumlosen Lebensräume mit deckungsreicher Kraut- und Staudenvegetation waren und sind in Hessen kaum anzutreffen (Quellen [1] & [2]) Die letzte dokumentierte Brut im Gebiet der Lorscher Weschnitzinsel gelang zuletzt 1964 (Quelle [3]). Seitdem wird die Sumpfohreule gewöhnlich während der Zugzeit und im Winter als regelmäßiger aber seltener Gast in den weitläufigen Wiesen des NSG erfasst. (Quelle: [4]). Außergewöhnlich war das wochenlange Auftreten von 2 Sumpfohreulen im Mai und Juni 2013 (Quelle: [4]). Starke Regenfälle und die nachfolgende Flutung der Polder im Schutzgebiet beendeten allerdings abrupt das Vorkommen der Art im Frühjahr. Als sehr bemerkenswert kann ebenfalls das regelmäßige Auftreten der Art im Winterhalbjahr 2023 eingestuft werden: Zwischen dem 12. November und dem 13. Dezember konnten Sumpfohreulen von verschiedenen Beobachtern festgestellt werden (Petermann, P. & C. Zurek, ornitho.de). Zudem konnte am 12. November im westlichen Polder die Rupfung einer Sumpfohreule entdeckt werden (Zurek, C., ornitho.de, Fotodokumentation). Da in der Umgebung der Fundstelle der zugehörige Kadaver nicht auffindbar war, dienten die Federn der Artbestimmung. Als Referenz diente das Artkapitel der online verfügbaren Gefiedersammlung „featherbase“ [5]. Zusätzlich wurde die Bestimmung durch weitere Experten bestätigt (Stübing, S. & P. Petermann). Demnach nutzen wahrscheinlich mehrere Sumpfohreulen über einen längeren Zeitraum gegenwärtig das NSG als Winterrevier.

Trotz fehlender systematischer Erfassungen, kann angenommen werden, dass die weitläufigen Wiesen traditionell von der auch tagaktiven Eulenart in der Vergangenheit auf dem Zug und im Winter genutzt wurden. Die mit der Renaturierung der Weschnitzinsel verbundene Extensivierung der Wiesen sowie die Beruhigung des Gebiets können als wichtige Maßnahmen für die Förderung dieser seltenen Art in Hessen bewertet werden.

Verfasser: Christian Zurek



Quellen

[1]: HGON (2010): Vögel in Hessen. Die Brutvögel Hessens in Raum und Zeit. Brutvogelatlas – Echzell, S. 379

[2]: Gebhardt, L. & W. Sunkel (1954): Die Vögel Hessens. Verlag Waldemar Kramer – Frankfurt am Main, S. 303 – 304

[3]: Ludwig, H. (2008): Dreißig Jahre Naturschutzgebiet Weschnitzinsel von Lorsch – Collurio 26: 71-80

[4]: https://www.ornitho.de/

[5]: https://www.featherbase.info/de/species/asio/flammeus


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